Tagestour 2

Dauert nicht lange – Lübbenau – Herzberg – 129 Kilometer

Über Luckau und Schlieben könnten wir auch über die B87 düsen, wären in knapp 70 Kilometern am Ziel und hätten allerdings auch nur die Hälfte gesehen. Deshalb bleibt die Uhr zu Hause und wir fahren zuerst über Vetschau mitten durch die Gurkenfelder nach Reuden. Fördermittel und Spenden haben das barocke Kleinod wiedererstehen lassen. Alle Straßen heißen Lindenallee und führen nach Reuden. Die Dorfstraße zur Kapelle. Heute gibt es hier unterschiedlichste Ausstellungen und Veranstaltungen zur fürstlichen Unterhaltung auf der Fürstlichen Route. Kalauer gefällig? Nur fünf Kilometer weiter liegt die kerngesunde Stadt mit Witz. Calau steht dazu und kultiviert den Spaß mit der guten Laune. Die komischen Vögel vom Lachplatz gibt’s inzwischen auch als Souvenirs. Alternativ zum Bike könnte man auch zu Fuß oder per Rad sagenhafte Sagentouren machen. Wir sagen es weiter und fahren knapp 40 Kilometer nach Finsterwalde. Das ginge auch schneller.

Doch wir wollen auf jeden Fall das Wasserschloss Drehna sehen und dafür auch durch die wunderschöne Heidelandschaft fahren. Schon mal was von Vetternwirtschaft gehört? In NRW heißt das Kölner Klüngel. In Finsterwalde wird sie kultiviert, die Wirtschaft der Vettern. „Gäste sind Freunde, die man noch nicht kennt“ sagen die Wirtsleute. Sie meinen das ernst mit ihrer bodenständigen Vetternwirtschaft. Alles im Haus haben regionale Handwerker geschaffen und die Dekoration ist sogar käuflich. Wie praktisch. Shoppingtour fast direkt vom Bike aus. Im 20. Jahrhundert konnten hier für ein paar Pfennige Pferde übernachten. Heute fühlen sich auch die mit mehr PS sehr wohl. Fürs Essen kann, muss aber auch in Finsterwalde nicht gesungen werden. Wer es dennoch tut, wird mit einem Bierchen belohnt. Zur Inspiration dazu heißen die Gerichte wie Titel aus der Jugendzeit vieler Biker.

Nach dem Besuch des Schlosses und des Sänger- und Kaufmannsmuseums geht’s im weiten Bogen nach Doberlug-Kirchhain. Kurz vor Schloss Doberlug liegt direkt an der Hauptstraße das Eiscafé Leibnitz. Fürstlich, so ein Eisbüfett. Das Schloss selbst diente August d. Starken und seinem Grafen Brühl zur Jagd auf Auerhähne. 2015 gründet sich hier der Museumsverbund Elbe/Elster. Es ist eins von vier Museen dieses Verbundes. Auf der kompletten Fürstlichen Route werden wir auch die anderen drei Häuser kennen lernen. Dazu gehören noch das Marionettentheatermuseum, Schloss Doberlug und das Museum Mühlberg 1547.

Auf dem Weg nach Schlieben, zum nördlichsten sächsischen Weinanbaugebiet, bietet sich ein Abstecher zu Schloss Lilllliput in Naundorf bei Schlieben an. Zu erleben ist ein einzigartiges Bauwerk, eine faszinierende Arche, Fantasiewelt und ökologische Meisterleistung. Das muss man einfach gesehen haben. Auf Anmeldung macht der Schlossherr auch Führungen. Er hat sein Schloss so genannte, weil es klein ist. Die vier „L“ stehen für Liebe, Lust, Laune, Leidenschaft.“ Doch auch hier überlässt es der Hausherr uns Besuchern, wie wir das interpretieren. Wer ein Herz für Friedensreich Hundertwasser hat, schaut sich das sich stetig verändernde Bauwerk mit der Krone auf dem Dach ganz bestimmt an. „Jeder kann ein König sein“, hat Hundertwasser gesagt, Biker also auch.

Schlieben bietet einen Einblick in die niedersorbische Historie. Mit seiner über 1000-jährigen Geschichte ist Schlieben die älteste Stadt im Landkreis Elbe-Elster. In dieser Zeit haben sich nicht nur unzählige Geschichten zugetragen, es sind auch einladende Traditionen entstanden. Der Moienmarkt am Johannistag z.B. ist eins der ältesten Feste der Region. Moien ist ein altes Wort für Magd oder Mädchen. Noch heute wählt eine Jury die geschickteste Moin des Jahres. Bei all den Traditionen fällt auf, dass das Leben so ist, wie es ist. Nichts wird überhöht oder für Touristen extra poliert und zurecht gemacht. Das Ursprüngliche, Urwüchsige bestimmt den Charakter der Gegend und das Leben der Leute.

Bis Herzberg an der Elster ist es nicht mehr weit. Auf dem Weg müssen wir unbedingt noch an Schloss Grochwitz vorbei. Fahrradtouristen kennen es längt. Biker erobern sich mit der Fürstlichen Route auch dieses Schloss mit seinem wunderschönen Park und wer weiß, vielleicht auch das Herz des oder der Liebsten. Schloss Grochwitz ist ein beliebtes Hochzeitsschloss. In Herzberg angekommen, beschließen wir den Abend vielleicht in der „guten Stube“. „Kneist´s kleines Restaurant“ wirbt mit dem Gefühl, sich wie zuhause fühlen zu können. Mittwoch bis Sonntag und auch an Feiertagen finden 40 Personen Platz. Vorbestellen empfiehlt sich daher auf jeden Fall. Für mehr Trubel gehen wir in den Elsterpark.